Versicherungen

Betriebliche Altersvorsorge mit Direktversicherung

Die Direktversicherung ist ein Durchführungsweg der betrieblichen Altersvorsorge für Arbeitnehmer. Dabei schließt der Arbeitgeber für seinen Mitarbeiter eine Kapitallebens- oder Rentenversicherung ab. Eine weitere Variante ist die fondsgebundene Lebensversicherung, bei der mit den Sparbeiträgen Fondsanteile gekauft werden. Die Direktversicherung ist oft die einzige Möglichkeit für eine betriebliche Altersvorsorge, da kleine Unternehmen meist weder über eine Pensionskasse noch einen Pensionsfonds verfügen. In solchen Fällen haben Sie als Arbeitnehmer ein Recht auf eine Direktversicherung, wobei der Arbeitgeber den Anbieter bestimmen darf.

Bei der Direktversicherung wird ein Teil des Bruttolohns oder -gehalts nicht mehr an den Arbeitnehmer überwiesen, sondern als  Beitrag für die Versicherung umgewandelt. Für diese Beiträge braucht der Arbeitnehmer keine Steuern mehr zu zahlen. Die Direktversicherung kann allerdings nur für die berufliche Haupttätigkeit vereinbart werden, nicht für Nebenjobs.

Die Gehaltsumwandlung ist für Arbeitnehmer besonders attraktiv, wenn der Arbeitnehmer:

  • wegen Erreichen der Höchstbeträge Aufwendungen zur Altersvorsorge in der Steuererklärung nicht mehr als Sonderausgaben absetzen kann,
  • Mitglied in einer privaten Krankenversicherung ist. Denn dann muss er bei Auszahlung der Versicherung keine Sozialabgaben zahlen, während gesetzlich Krankenversicherte zur Zahlung von Sozialabgaben verpflichtet sind,
  • die Beiträge zur Lebens- oder Rentenversicherung - teilweise oder ganz - zahlt,
  • die Versicherung zusätzlich einen Berufsunfähigkeits- und/oder Hinterbliebenenschutz bietet.

Das bringt eine Direktversicherung

Vorteile für Arbeitnehmer
Die Direktversicherung ist mit einem Garantiezins von derzeit 1,25 Prozent sicher. Steuer- und Sozialabgabenersparnisse machen sie zu einer einigermaßen attraktiven Form der Altersvorsorge - insbesondere wenn der Arbeitgeber etwas dazubezahlt.

Der Anspruch verfällt nicht und bleibt auch bei vorzeitigem Ausscheiden aus dem einzahlenden Unternehmen erhalten. Sie können den Vertrag auf einen neuen Arbeitgeber übertragen oder selbst die Zahlungen übernehmen. Die Übertragung erfolgt steuerfrei. Sie können den Vertrag aber auch beitragsfrei stellen, wobei wegen des Stopps der Einzahlungen die künftige Betriebsrente natürlich geringer ausfällt.

Sie können sich das angesparte Kapital zu Beginn der Auszahlungsphase auf einmal auszahlen lassen oder als Rente bis an Ihr Lebensende.

Für Verträge, die nach dem 31. Dezember 2004 geschlossen wurden, gilt, dass sie nachgelagert besteuert werden – bei Erhalt der Zahlungen im Rentenalter. In den allermeisten Fällen ist der Steuersatz im Rentenalter niedriger als in der Zeit der Berufstätigkeit, was einen Steuervorteil bedeutet.

Nachteile für Arbeitnehmer

Sofern Sie in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert sind, müssen Sie aus Versorgungsbezügen – und damit auch aus Zahlungen der Direktversicherung – Beiträge in die gesetzliche Krankenkasse und die gesetzliche Pflegeversicherung leisten. Das gilt auch, wenn Sie freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse sind.

Die Entgeltumwandlung führt während des Ansparens zu einer verminderten Bemessungsgrundlage für die Leistungen aus den gesetzlichen Sozialversicherungen, also für Renten- Kranken-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung. Dadurch kann es passieren, dass Sie später, etwa wenn Sie arbeitslos werden, geringere Leistungen aus diesen Sozialsystemen erhalten.

Die Kosten für den Abschluss und die Provision des Vermittlers sind für den Arbeitnehmer meistens nicht zu erkennen: Die Versicherungsgesellschaft ist nicht verpflichtet, sie ihm gegenüber auszuweisen.

Vorteile für Arbeitgeber

Der Arbeitgeber spart Lohnnebenkosten, nämlich die anteiligen Sozialabgaben.

  • Er braucht keine Rückstellungen für Versorgungsansprüche bilden, da der Arbeitnehmer keine Ansprüche an sein Unternehmen hat, sondern gegenüber der Versicherungsgesellschaft.
  • Scheidet der Mitarbeiter aus, kann der Arbeitgeber den Vertrag ohne weitere Ansprüche an das Unternehmen auf den neuen Arbeitgeber oder den Mitarbeiter übertragen.
  • Die unkomplizierte Abwicklung stellt sicher, dass der Verwaltungsaufwand gering bleibt.

Diese Steuern und Sozialabgaben werden fällig
Sie können im Rahmen der Gehaltsumwandlung pro Jahr bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung steuer- und sozialabgabenfrei für den Aufbau einer betrieblichen Zusatzrente nutzen. Das sind im Jahr 2015 bis zu 2.904 Euro (oder 242 Euro bei monatlicher Zahlung). Hinzu kommt bei Verträgen, die nach dem 31. Dezember 2004 geschlossen wurden, ein ebenfalls steuerfreier Festbetrag von 1.800 Euro, für den allerdings Sozialabgaben entrichtet werden müssen. Das macht für das Jahr 2015 insgesamt also maximal 4.704 Euro.

Für Altverträge, die bis zum 31. Dezember 2004 abgeschlossen wurden, werden die Beiträge vom Arbeitgeber mit einem Pauschalsteuersatz von 20 Prozent plus Solidaritätszuschlag versteuert. Dafür werden die Leistungen steuerbegünstigt ausgezahlt. Wird das angesparte Kapital in einem Betrag gezahlt, bleibt dieser steuerfrei. Wird es als Rente ausgezahlt, müssen Sie als Empfänger nur den Ertragsanteil nach § 22 Nr. 5 Einkommensteuergesetz versteuern.

Bei Abschluss der Versicherung nach dem 31. Dezember 2004 gilt gemäß Alterseinkünftegesetz (AltEinkG) auch bei der Direktversicherung das Prinzip der nachgelagerten Besteuerung. Das heißt: Die Beiträge für die Versicherung sind steuerfrei. Die ausgezahlten Leistungen müssen Sie aber voll versteuern, während bei Altverträgen nur der Ertragsanteil versteuert wird. Sie können sich das angesparte Kapital auch auf einen Schlag auszahlen lassen. Das hat - anders als bei Altverträgen - aber den Nachteil, dass sie es sofort bei Auszahlung versteuern müssen.

Die Rentenzahlungen aus Direktversicherungen werden voll in die Bemessungsgrundlage für die Beitragszahlungen zur gesetzlichen Krankenversicherung eingerechnet. Ob Alt- oder Neuverträge, als Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse müssen Sie auf die ausbezahlten Leistungen einer Direktversicherung Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen. Haben sie Ihre Direktversicherung allerdings privat fortgeführt, beispielsweise weil Sie irgendwann den Arbeitgeber gewechselt haben, profitieren Sie von einer durch das Bundesverfassungsgericht reduzierten Beitragspflicht.

Danach gilt: Auf Direktversicherungen, die bei einem Arbeitsplatzwechsel oder aus anderen Gründen vom Arbeitnehmer übernommen und allein fortgeführt werden, kann die Krankenkasse nur eine anteilige Beitragspflicht beanspruchen. Beitragsfrei bleibt der Teil der Auszahlung, der anteilig auf der privaten Fortführung des Arbeitnehmers beruht.

Was passiert, wenn der Arbeitnehmer aus dem Unternehmen ausscheide?
Als Versicherter haben Sie von Anfang an einen unwiderruflichen Anspruch auf Leistungen aus dem Vertrag. Scheiden Sie aus der Firma aus, die den Versicherungsvertrag für Sie abgeschlossen hat, bleiben Ihnen die Versorgungsansprüche gemäß der vereinbarten Versicherungszusage erhalten. Sie haben die Möglichkeit, den Vertrag selbst weiterzuführen - entweder beitragsfrei oder -pflichtig oder über den neuen Arbeitgeber.

Was passiert, wenn der Arbeitnehmer arbeitslos wird?
Sie behalten Ihre Versorgungsansprüche. Darüber hinaus gilt: Anwartschaften aus der betrieblichen Altersversorgung, die per Gesetz nicht verfallen können, werden grundsätzlich nicht auf das Arbeitslosengeld II (Hartz IV) angerechnet.

Lange Krankheit oder Elternzeit?
Sie können die Ansprüche in voller Höhe aufrechterhalten, indem Sie die Beiträge selbst weiterzahlen. Sie haben aber auch die Möglichkeit, die Beitragszahlung für längere Zeit einzustellen – was die Leistungen verringert – und den Vertrag danach wieder aufleben zu lassen.

Wer bekommt im Todesfall Leistungen aus der Direktversicherung?
Werden bei Ihrem Tod Zahlungen fällig, sind begünstigt:

  • Ihr Ehegatte bzw. Ihr Partner in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft,
  • Ihre kindergeldberechtigten Kinder sowie Pflege- und Stiefkinder bis zu eine bestimmten Alter,
  • Ihr namentlich benannter Lebenspartner einer nicht eingetragenen Lebenspartnerschaft,
  • Ihre kindergeldberechtigten Enkelkinder in Ihrem Haushalt bis zu einem bestimmten Alter,

Falls keine dieser Personen vorhanden ist: Sterbegeld bis maximal 8.000 Euro geht an die von Ihrem Arbeitgeber mit Ihrem Einvernehmen benannten Berechtigten, ansonsten an Ihre Erben.

Wie erkenne ich, ob eine Direktversicherung gut oder schlecht ist?
Ein Indikator für die Qualität einer Direktversicherung ist die garantierte Rente, die im Vertrag genannt wird. Sie sollte möglichst hoch sein. Das ist ein Hinweis auf vergleichsweise niedrige Kosten. Ein Problem ist, dass die Kosten nicht ausgewiesen werden. Um die Kostenbelastung zu reduzieren, sollten möglichst Verträge ohne Provision abgeschlossen werden. Da der Arbeitgeber die Direktversicherung für Sie als Arbeitnehmer abschließt, fragen Sie im Zweifel bei ihm nach.

Wo kann ich mich über Direktversicherungen informieren?
Sie können sich bei uns, Ihrem eigenständigen Versicherungsmakler über die Vor- und Nachteile der Direktversicherung beraten lassen. Vereinbaren Sie dazu einfach einen unverbindlichen Beratungstermin. Wir freuen uns auf das Gespräch mit Ihnen.